Ihre Bestatterin mit Herz Seit 2024 führt Leonie Vogt ihr eigenes Bestattungsunternehmen. Eine Berufung, die sie schon ihr halbes Leben begleitet. Wir haben sie zum Gespräch getroffen. Welche Rolle spielt bei Ihnen das Thema Nachhaltigkeit? Eine große! Wir arbeiten hauptsächlich mit Kohle-, Papier-, Sand- und Pilzurnen und haben keine große Auswahl an Särgen, um das Thema Prestige in den Hintergrund zu rücken. Es geht um den Menschen an sich und das hängt nicht davon ab, wer den prunkvollsten teuren Sarg hat. Begleitung endet nicht mit der Beisetzung ... Das ist uns wichtig. Speziell bieten wir den Herzlicht-Treff an – ein Kreis für Menschen, die Gemeinschaft suchen. Bei unseren Treffen geht es nicht nur um das Thema Trauer. Wir sprechen über Dinge, die uns beschäftigen, sind kreativ, spielen zusammen oder genießen Kaffee und Kuchen. Haben Sie Angst vor dem Tod? Vor dem Tod selbst habe ich keine Angst. Ich habe Angst davor, leiden zu müssen. Und ich bin wütend darüber, wie oft der Tod ein schlimmes Schicksal mit sich bringt. Auf das, was nach dem Tod kommt, bin ich gespannt. Und wenn es so weit ist, bin ich bereit, zu gehen. Ich lebe jeden Tag bewusst und habe die Welt sehen dürfen. Und ich lebe meinen Traum, für den ich hart gekämpft habe. Frau Vogt, wie kommt man dazu, Bestatterin zu werden? Die ganze Geschichte sprengt den Rahmen. Die Kurzver- sion: Mit 15 habe ich mein erstes Praktikum bei einem Be- statter absolviert, mit 17 folgte mein FSJ in der Hospizarbeit. Beides hat mich nicht abgeschreckt, sondern bestärkt. Warum der Schritt in die Selbstständigkeit? Ich wollte meinen eigenen Weg gehen, mit meinen Werten, meiner Handschrift. Nach vielen Jahren in Bestattungsun- ternehmen wusste ich genau, was mich störte und was ich anders machen möchte. In unserer Branche fängt kaum eine Frau von null an und wagt den großen, mutigen Schritt. Was macht eine gute Bestatterin aus? Die Fähigkeit, über den Tellerrand hinauszuschauen. Ich bin eine Stimme für diejenigen, die ihre Wünsche nicht mehr laut aussprechen können und gleichzeitig für Menschen, die in tiefer Trauer zu mir kommen. Wie individuell ist eine Trauerfeier? So individuell wie jeder von uns, ob als Verstorbene oder Hinterbliebene. Ich erinnere mich gerne an einen Abschied, als wir die Urne des Verstorbenen mit seiner alten Kreidler bis an sein Grab geschoben haben. Oder an das Portrait ei- nes Verstorbenen am Grab, wie er den Stinkefinger zeigend in die Kamera lächelt. Abschied bedeutet, keine Rücksicht darauf zu nehmen, was andere von einem denken. Sie haben auch eine Erinnerungsbox entwickelt ... Ich biete eine personalisierte, mit Moos ausgelegte Kon- dolenzbox an, die später als Erinnerungsbox dient. Da wir immer eine Stunde vorher da sind, um die Gäste zu emp- fangen, weisen wir darauf hin, dass wir die Kondolenzkar- ten hier sammeln. Meine Idee ist übrigens so gut, dass sie schon von manchen Kolleg/innen geklaut wurde ;-) 36 Vogt Bestattungen Kelterstraße 69 73265 Dettingen Telefon 01556 6866603 www.vogtbestattung.de